LITERATUR UND FILME ZUM THEMA GENITALVERSTÜMMELUNG

Von Franziska Gruber

Literatur

Literatur und Filme zum Thema Genitalverstümmelung
Szene aus dem Film "Maimouna - la vie devant moi" von Fabiola Maldonado und Ulrike Sülzle

Berufsverband der Frauenärzte e.V., TERRE DES FEMMES, UNICEF (Hrsg.), Schnitte in Körper und Seele. Eine Umfrage zur Situation beschnittener Mädchen und Frauen in Deutschland, Köln, 2005.
Die Broschüre beinhaltet die Ergebnisse der bundesweiten Umfrage unter GynäkologInnen in Deutschland, sowie Erfahrungsberichte betroffener Frauen in Deutschland.

Gruber, Franziska, Katrin Kulik, Ute Binder, Studie zu weiblicher Genitalverstümmelung im Auftrag von Feleknas Uca, MdEP, Tübingen, 2005.
Die Studie zu weiblicher Genitalverstümmelung wurde von TERRE DES FEMMES im Jahr 2005 im Auftrag des Europäischen Parlaments erstellt. Neben der Beschreibung der Praxis werden auch die soziologischen, kulturellen und ökonomischen Aspekte beleuchtet, sowie die rechtlichen Hintergründe gegen FGM auf staatlicher und internationaler Ebene.

Gruenbaum, Ellen, The Female Circumcision Controversy. An Anthropological Perspective, Philadelphia, 2001.
Anhand von Feldforschungsergebnissen vergleicht die US-amerikanische Ethnologin Ellen Gruenbaum die unterschiedliche Wahrnehmung weiblicher Genitalverstümmelung aus Sicht von betroffenen Frauen im Sudan und westlichen FGM-AktivistInnen. Ihre Analyse des komplexen Phänomens der weiblichen Genitalverstümmelung als eng mit kulturellen Vorstellungen verwobene geschlechtsspezifische Menschenrechtsverletzung liefert wichtige Impulse für Strategien zur Überwindung der Praxis.

Hermann, Conny (Hrsg.), Das Recht auf Weiblichkeit. Hoffnung im Kampf gegen die Genitalverstümmelung, Bonn, 2000.
Conny Hermann hat in diesem Buch unterschiedlichste Artikel zusammengestellt, so zum Ursprung und zur Gegenwart der Praktik sowie Erfahrungsberichte. Weitere Beiträge widmen sich der Darstellung von Initiativen in Europa und von Aktivitäten in Afrika, die in Ländern wie Somalia, Senegal oder Mali ÄrztInnen und Beschneiderinnen aufklären.

Hulverscheidt, Marion, Weibliche Genitalverstümmelung. Diskussion und Praxis in der Medizin während des 19. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum, Frankfurt/Main, 2002.
Weibliche Genitalverstümmelung wird in der öffentlichen Diskussion als barbarischer Akt innerhalb der 'minderen Zivilisation' einiger afrikanischer Ethnien wahrgenommen. Kaum jemand weiß, dass sie zur Behandlung der Masturbation, der Hysterie und anderer vermeintlich typischer weiblicher Störungen auch im deutschsprachigen Raum praktiziert und sehr kontrovers diskutiert wurde. Marion Hulverscheidt stellt diesen fast vergessenen Abschnitt der Medizingeschichte anhand von Fallbeispielen in klarer und sensibler Sprache erstmals umfassend dar. Bezüge zu Ethnologie und Anthropologie, ebenso wie zur aktuellen Debatte um Genitalverstümmelung werden hergestellt.

Ihring, Isabelle, Menschenrechtspädagogik als Bildungs- und Aufklärungsarbeit in Beratungsstellen. Zum Umgang mit weiblicher genitaler Verstümmelung in Deutschland und Frankreich, Freiburg, 2006.
In ihrer Diplomarbeit vergleicht Isabelle Ihring Beratungsangebote für betroffene Migrantinnen in Deutschland und Frankreich. Auf die von ihr entwickelten und verschickten Fragebögen antworteten in Deutschland acht, in Frankreich vier Beratungsstellen. Die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage in Deutschland: der Bedarf an Beratung und Prävention kann durch die wenigen bundesweit bestehenden Angebote nicht abgedeckt werden. ÄrztInnen und PsychologInnen sind im Durchschnitt zu wenig für den Umgang mit Betroffenen sensibilisiert. In Frankreich fehlen Beratungsangebote vor allem außerhalb von Paris.

Kuring, Diana, Die Praktik der weiblichen Genitalverstümmelung. Berührungspunkte und politische Verantwortung in Deutschland?!, in: Engartner, Tim, Diana Kuring, Torsten Teubl (Hrsg.), Die Transformation des Politischen. Analysen, Deutungen, Perspektiven, Berlin, 2006.
Mit dem provokanten Titel „Die Praktik der weiblichen Genitalverstümmelung – Berührungspunkte und politische Verantwortung in Deutschland?!“ zielt Diana Kuring darauf ab, ein neues, brisantes und bisher unzureichend beleuchtetes Problemfeld der Politik publik zu machen. Das geschieht einerseits unter dem Blickwinkel einer historischen Betrachtung der Prävalenz der Genitalverstümmelung in Deutschland. Ziel ist dabei, einen Perspektivwechsel anzuregen, da die meisten Deutschen die weibliche Genitalverstümmelung als einen grausamen Brauch in Afrika sehen. Andererseits versucht der Artikel die aktuelle Situation von hierzulande betroffenen und gefährdeten Migrantinnen aufzuzeigen. Im Mittelpunkt stehen neben der Prävalenz bestehende rechtliche Regelungen im Umgang mit Fällen der Genitalverstümmelung sowie politische und soziale Forderungen für eine angemessene Bearbeitung der aktuellen Entwicklungen zur Genitalverstümmelung in der BRD.

Momoh, Comfort (Ed.), Female Genital Mutilation, Oxford, Seattle, 2005.
In diesem von Comfort Momoh herausgegebenen Buch kommen verschiedene AutorInnen zu Wort, die vor allem in Großbritannien im sozialen, medizinischen und psychologischen Bereich mit betroffenen Migrantinnen arbeiten. Ihre Erfahrungen sind hilfreich für alle, die in Deutschland mit dem Thema und Betroffenen in Berührung kommen.

TERRE DES FEMMES (Hrsg.), Schnitt in die Seele. Weibliche Genitalverstümmelung – eine fundamentale Menschenrechtsverletzung, Frankfurt/Main, 2003.
In der TERRE DES FEMMES-Publikation berichten AutorInnen aus zehn Ländern von der Aufklärungsarbeit gegen die Praktik in Afrika bis hin zur Beratung von MigrantInnen in Deutschland, eröffnen einen Blick auf die Asylproblematik in Deutschland aber auch auf den strafrechtlichen Umgang mit genitaler Verstümmelung in Afrika und Europa. Die 25 Artikel bieten darüber hinaus Hintergrundinformationen zu diesem komplexen Thema und fördern ein Spektrum an Sichtweisen zu Tage. Mit diesem breiten Ansatz möchte die Publikation einer oft sensationslüsternen Medienberichterstattung eine kompetente und sensible Information entgegensetzen.

TERRE DES FEMMES (Hrsg.), Unterrichtsmappe Weibliche Genitalverstümmelung. Mit einem Vorwort von Waris Dirie, Tübingen, 2007.
Vorschläge zur Gestaltung von Unterrichtsstunden und Aktionstagen, Berichte von Betroffenen, ein Comic und Hintergrundinformationen sollen Lehrkräfte unterstützen, weibliche Genitalverstümmelung mit ihren SchülerInnen zu thematisieren. Die Unterrichtsmappe bietet zahlreiche Anregungen, wie sich Jugendliche für betroffene Mädchen und Frauen einsetzen können.

Filme

„Bolokoli – Mädchenbeschneidung in Mali“ Rita Erben, BMZ, VHS, Doku, Mali 2000, 30’
Im Sprachgebrauch der Bambara in Mali, wird Genitalverstümmelung Bolokoli genannt. Unversehrte Frauen werden diskriminiert und als Huren beschimpft. Langsam jedoch ändert sich in Mali die Meinung über FGM. Zahlreiche Frauen haben dieser Praxis den Kampf angesagt. In ihrem Film dokumentiert Rita Erben den Einsatz dieser Frauen, unter ihnen Dango, eine ehemalige Beschneiderin.

Ausleihmöglichkeiten:
- Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung www.bmz.de
- Landesfilmdienste www.landesfilmdienste.de
- Deutsches Filmzentrum e.V. www.dfz.de

„Maimouna – la vie devant moi“ Fabiola Maldonado, Ulrike Sülzle, DVD, Doku, Burkina Faso, Deutschland 2006, 60’ HDV
Die junge Maïmouna in Burkina Faso kämpft gegen FGM. Für die Organisation „Bangr Nooma“ geht sie von Hof zu Hof, um die Menschen über die negativen Folgen von Genitalverstümmelung aufzuklären. Dabei stößt sie immer wieder auf Aberglauben, gesellschaftliche Machtstrukturen, Ängste, Widersprüche und ihre eigenen Wunden. Maïmouna und ihre Stärke stehen im Vordergrund und machen den Film zu einem lebendigen und hoffnungsvollen Dokument gegen Genitalverstümmelung und für ein selbstbestimmtes Leben.

Ausleihmöglichkeit:
- www.maimouna-derfilm.de
- info@maimouna-derfilm.de

„Molaadé – Bann der Hoffnung“ Ousmane Sembène, DVD, Senegal, Frankreich, Burkina Faso u.a., 2004
Der Film Moolaadé macht deutlich, dass in Gesellschaften, die FGM praktizieren, Widerspruch mit den Mitteln der eigenen Kultur möglich ist. Der bekannte senegalesiche Regisseur Ousmane Sembène zeigt in seinem Film Moolaadé die Stärke afrikanischer Frauen.
Am Vorabend des Festes zu ihrer Beschneidung laufen sechs Mädchen von zu Hause weg. Vier von ihnen finden Schutz bei Collé Ardo Gallo Sy, die sich geweigert hat, ihre eigene Tochter verstümmeln zu lassen. Gegenüber den Müttern, die lautstark und drohend die Rückkehr ihrer Kinder einfordern, beruft sich Collé auf ein traditionelles Schutzrecht, das mit unserem Asyl vergleichbar ist und Moolaadé genannt wird. Niemand darf ihren Hof betreten und niemand darf die Mädchen anrühren. Schnell bilden sich zwei Fraktionen im Dorf: Diejenigen, die Collé wegen ihrer Widerspenstigkeit verdammen oder aber bewundern, weil sie im tiefsten Herzen auch gegen Genitalverstümmelung sind. Aus dieser Ausgangssituation entwickelt sich eine spannungsgeladene Geschichte.

Ausleihmöglichkeit:
- www.ezef.de

„Narben, die keiner sieht – Beschnittene Frauen in Deutschland“ Sigrid Dethloff, Renate Bernhard, VHS, Doku, Deutschland 2001, 29’
Der Film thematisiert die schwierige Situation von Migrantinnen in Deutschland, die aus Verbreitungsländern der Genitalverstümmelung kommen. Deutlich wird dies am Schicksal von Wata, einer betroffenen Frau aus Guinea. Sie kam nach Deutschland, als sie mit ihrer Tochter Fanta schwanger war. Nun möchte sie ihrer Tochter die Genitalverstümmelung ersparen und kämpft dafür, in Deutschland bleiben zu können.

Ausleihmöglichkeit:
- Evangelische Medienzentralen www.evangelische-medienzentralen.de
- Landesfilmdienst BW www.landesfilmdienst-bw.de

„Warrior Marks“ Prathiba Parmar, Alice Walker, VHS, Großbritannien 1993, 51’
Der Film Warrior Marks berichtet über die Genitalverstümmelung von Frauen und Mädchen in Afrika. Das Thema FGM wird in einen weltweiten Kontext gestellt, indem die Kontrolle über den Körper von Frauen beleuchtet wird. Die unterschiedlichen Verletzungen der körperlichen Integrität von Frauen werden im Film als „Warrior Marks“ bezeichnet, da sie als Kriegsverletzungen verstanden werden. Die Frauen werden hier jedoch nicht als „Opfer“ sondern vielmehr als „Überlebende“ gezeigt.

Ausleihmöglichkeit:
- Evangelische Medienzentralen www.evangelische-medienzentralen.de

Zur Autorin
Franziska Gruber, M.A., Studium der Ethnologie, ist bei TERRE DES FEMMES e.V. als Referentin zum Thema weibliche Genitalverstümmelung tätig.
E-Mail: genitalverstuemmelung@frauenrechte.de


Herausgeber © Museum der Weltkulturen, Frankfurt a. M. 2008

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